Die 20-jährige «Jian» reiste 2019 gemeinsam mit ihren vier minderjährigen Geschwistern in die Schweiz ein. Nach einem Monat Aufenthalt in einem Bundesasylzentrum wurden «Jian» und die Geschwister als Flüchtlinge anerkannt, erhielten eine Aufenthaltsbewilligung B und wurden in ein kantonales Zentrum transferiert.
Bevor die Familie flüchten musste, hatte «Jian» in ihrem Herkunftsland die Grund- und Sekundarschule besucht und eine gymnasiale Ausbildung begonnen. Nebst einjährigem Unterbruch aufgrund der Konfliktsituation im Heimatland, konnte «Jian» zwischen der Flucht aus dem Heimatland und der Einreise in der Schweiz während rund 1.5 Jahren keine Bildungsinstitution besuchen.
In der kantonalen Asylunterkunft in der Schweiz besuchte «Jian» während rund einem Jahr einen internen Sprachkurs. Dieser fand meist täglich, für jeweils 1-2 Stunden statt. Laut «Jian» entsprach dieser Unterricht nicht den Regelstrukturen einer Schule. Man habe nicht so viel lernen können und sie habe ihre Sprachkenntnisse nur langsam verbessern können. Es sei besser gewesen als gar nichts, aber sie hätte sich gewünscht, intensiveren Unterricht zu haben und schneller lernen zu können. Sie habe mehrmals gefragt, ob es Möglichkeiten gäbe, ausserhalb des Zentrums einen Kurs zu besuchen, doch man habe ihr gesagt, sie müsse nach einem Jahr einen Test machen, dann würde man schauen, wie es weitergehen könne. «Jian» erreichte nach einem Jahr Sprachunterricht im Zentrum das Niveau A1/A2.
Seit Sommer 2020 besucht «Jian» einen Intensivsprachkurs sowie eine sogenannte «Förderklasse». Sie wird dort auch in den Fächern Mathematik, Informatik und Allgemeinbildung unterrichtet und nimmt an Aktivitäten und Ausflügen teil, die das Ziel haben, die Schweizer Kultur besser kennenzulernen. Gemäss «Jian» lernt sie in diesem Unterricht schnell die Sprache und kann auch sonst viel über wichtige Themen lernen.
Da «Jian» mit ihren minderjährigen Geschwistern und ohne Eltern in der Schweiz ist, lebt sie bis heute im kantonalen Asylzentrum, wo die Geschwister zu fünft in einem Zimmer wohnen. Hausaufgaben zu machen und für die Schule zu lernen, sei für alle sehr schwierig; man habe keinen ruhigen Ort. Doch es gäbe keine andere Möglichkeit, also würden «Jian» und ihre Geschwister in diesem Zimmer lernen und Hausaufgaben erledigen. Die Geschwister versuchen seit langem, bisher ohne Erfolg, die Einreise der Mutter in die Schweiz zu organisieren. Bis es soweit ist, wird «Jian» in der kantonalen Unterkunft bleiben, da ihre minderjährigen Geschwister keine eigene Wohnung beziehen dürfen und da sie als deren Bezugsperson bei ihnen bleiben möchte.
«Jian» besucht noch bis Sommer 2021 die «Förderklasse». Danach wird sie ein «integratives Brückenangebot» des Kantons besuchen, wo sie direkt im Sprachniveau B1 starten wird. Das Brückenangebot soll ihr dabei helfen, anschliessend eine Lehrstelle im Gesundheitsbereich zu finden. «Jian» möchte eine Lehre mit Berufsmatura machen und danach Medizin studieren. Seit sie 10 Jahre alt ist, möchte sie Ärztin werden.
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Quellen: Gespräch und Aktendossier